Chef-Erfa 19 bei HECHT Contactlinsen: Mit Wertstromdesign „sichtbar besser“ werden
22.10.2026

Rückblick | Chef-Erfa 19 | 20.10.2026 | Hecht Contactlinsen GmbH
Wie lässt sich eine hoch individualisierte Fertigung effizient organisieren und schrittweise weiterentwickeln? Diese Frage stand im Mittelpunkt der Sitzung der Chef-Erfa 19 bei HECHT Contactlinsen in Au bei Freiburg. Gastgeber Stefan Muckenhirn gab den Teilnehmenden Einblicke in die Entwicklung des Unternehmens und das aktuelle Produktionskonzept. Unter dem Tagesthema „Wertstromdesign in der Praxis“ erhielt das Unternehmensmotto „Sichtbar besser“ damit eine zusätzliche Bedeutung: Prozesse transparent machen, Verbesserungspotenziale erkennen und Veränderungen im Produktionsalltag umsetzen.
HECHT ist in einem Nischenmarkt tätig: Der überwiegende Teil der weltweit verwendeten Contactlinsen wird von wenigen Unternehmen in standardisierten Massenprozessen hergestellt. Individuell für den einzelnen Menschen gefertigte Contactlinsen, wie sie HECHT produziert, machen dagegen nur einen Bruchteil des Gesamtmarktes aus. Damit unterscheidet sich die Ausgangssituation des Unternehmens grundlegend von der großer Serienhersteller. Während diese auf hohe Stückzahlen standardisierter Produkte setzen, muss HECHT individuelle Anforderungen mit einer wirtschaftlichen Fertigung in Losgröße 1 verbinden. Die große Variantenvielfalt verlangt flexible und zugleich präzise organisierte Abläufe. Kontinuierliche Prozessoptimierung ist deshalb ein wesentlicher Baustein, um in diesem spezialisierten Markt bestehen zu können.
Das 1978 gegründete Unternehmen hat seine Fertigung und sein Leistungsangebot über die Jahrzehnte kontinuierlich weiterentwickelt. In der Anfangszeit wurden die für die Herstellung benötigten CNC-Maschinen sogar selbst entwickelt und gebaut. Aus dem ursprünglich stark handwerklich geprägten Geschäft ist eine technologiegestützte Präzisionsfertigung geworden, in der Physik und Mathematik zunehmend an Bedeutung gewinnen. Kooperationen mit wissenschaftlichen Einrichtungen liefern dabei Impulse für neue Lösungen. Zugleich versteht sich HECHT als Full-Service-Anbieter: Neben den Contactlinsen gehören Software für deren Anpassung sowie ein umfangreiches Seminarangebot für Optiker zum Leistungsspektrum.
Die Weiterentwicklung der Produktionsabläufe ist bei HECHT eine dauerhafte Aufgabe. Produktionskonzepte wurden wiederholt angepasst, um den Anforderungen der individuellen Fertigung gerecht zu werden und die Effizienz zu verbessern. An diese Erfahrungen knüpft das seit 2019 entwickelte Konzept „Produktion 2.0“ an. Es verfolgt das Ziel, weitere Effizienzpotenziale zu erschließen und die Fertigung stärker zu vernetzen und zu automatisieren. Im Mittelpunkt steht dabei nicht nur die Leistungsfähigkeit einzelner Maschinen, sondern auch deren Einbindung in die Produktionsabläufe und die übergeordneten Systeme.
Für die Chef-Erfa bot dieser Ansatz einen konkreten Bezugspunkt für den Erfahrungsaustausch: Wie lassen sich bestehende Strukturen hinterfragen und neue Konzepte entwickeln, ohne die Besonderheiten der Produkte und die Anforderungen des laufenden Betriebs aus dem Blick zu verlieren?
Die Umsetzung des neuen Produktionskonzepts erfolgt schrittweise. Als erste Phase wurden Tests im kleinen Umfang im Jahr 2025 beschrieben. Daran schließen sich die Integration zusätzlicher Maschinen und deren Anbindung an das ERP-System an. Parallel werden weitere Produkte in das neue Fertigungskonzept überführt. Mit der technischen Erweiterung geht auch die organisatorische Ausgestaltung einher. Dazu zählen weitere Automatisierungsschritte ebenso wie die Erstellung passender Arbeits-, Wartungs- und Pflegeanweisungen. Die Einblicke verdeutlichten, dass ein neues Produktionskonzept nicht allein aus der Installation von Anlagen besteht: Technik, Informationsfluss und betriebliche Abläufe müssen aufeinander abgestimmt werden.
Ein weiterer Schwerpunkt war die frühzeitige Einbindung der Mitarbeitenden. Ihre Erfahrungen aus dem Produktionsalltag sollen bereits in der Entwicklung berücksichtigt werden. Gleichzeitig gilt es, mögliche Sorgen im Zusammenhang mit Automatisierung und dem Verlust von Arbeitsplätzen offen aufzugreifen. Damit wurde neben der technischen auch die menschliche Seite der Produktionsentwicklung deutlich. Neue Abläufe verändern Aufgaben und gewohnte Arbeitsweisen. Die Beteiligung der Beschäftigten ist deshalb ein wichtiger Bestandteil der Umsetzung.
Die Sitzung verband Einblicke in eine besondere Fertigungsumgebung mit Fragen, die viele produzierende Unternehmen beschäftigen: Wie gelingt kontinuierliche Verbesserung? Wie werden neue Technologien sinnvoll integriert? Und wie lassen sich Mitarbeitende auf diesem Weg beteiligen? Das Motto „Sichtbar besser“ bildete dafür einen passenden Rahmen. Es stand an diesem Tag nicht nur für das Produkt, sondern auch für den Anspruch, Produktionsprozesse gezielt weiterzuentwickeln und Verbesserungen im betrieblichen Alltag wirksam werden zu lassen.
Die Chef-Erfa 19 dankt Stefan Muckenhirn und dem Team von HECHT Contactlinsen für die Gastfreundschaft und die offenen Einblicke sowie allen Teilnehmenden für den konstruktiven Erfahrungsaustausch.