Das EU-Mercosur-Abkommen: Zollrechtliche Neuerungen und Auswirkungen auf die Praxis
16.07.2026

Rückblick | Fach-Erfa Zollkoordinatoren & Zoll, Versand, Logistik | Das EU-Mercosur-Abkommen: Zollrechtliche Neuerungen und Auswirkungen auf die Praxis | 16.07.2026 | MS-Teams
Das Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union und den Mercosur-Staaten markiert einen wichtigen Meilenstein in den Wirtschaftsbeziehungen zwischen Europa und Südamerika. Mit dem EU-Mercosur-Abkommen entsteht eine der größten Freihandelszonen der Welt – und für Unternehmen der wvib Schwarzwald AG rückt damit ein Exportmarkt mit erheblichem Potenzial in greifbare Nähe. Beim gemeinsamen Online-Treffen der Fach-Erfa Zollkoordinatoren sowie Zoll, Versand, Logistik gab Andrea González Alvarez, Zollexpertin bei Germany Trade and Invest (GTAI) einen fundierten Überblick über die zollrechtlichen Neuerungen des Abkommens und deren praktische Auswirkungen.
Seit dem 1. Mai 2026 wird das Interimsabkommen (iTA), das die handelspolitischen Teile des umfassenderen Partnerschaftsabkommens (EMPA) enthält, vorläufig angewendet. Die EU sowie Argentinien, Uruguay, Paraguay und Brasilien haben das Abkommen zwischen Februar und April 2026 angenommen. Das EMPA selbst deckt darüber hinaus auch politische und kooperative Aspekte ab und benötigt für sein vollständiges Inkrafttreten noch die Ratifikation durch alle Mitgliedstaaten.
Rund 90 Prozent der Zölle auf EU-Waren werden schrittweise abgebaut – teils sofort, teils über längere Übergangsfristen. Betroffen sind unter anderem Kfz-Teile (14 bis 18 %), Maschinen (14 bis 20 %), Chemikalien und Pharmazeutika (bis zu 14 %) sowie Bekleidung und Schuhe (bis zu 35 %). Für besonders sensible Produkte wie Pkw (bis zu 35 %) gelten Übergangsfristen von bis zu 16 Jahren.
Andrea González Alvarez ging in Ihrem Vortrag inhaltlich weiter auf die Ermittlung von Präferenzzollsätzen, auf Ursprungsregeln und Präferenznachweise sowie nichttarifäre Handelshemmnisse ein. Ergänzt wurden die Inhalte durch wertvollen Austausch samt Praxistipps seitens der Teilnehmenden.
Stimmungsbild seitens der Teilnehmenden zum EU-Mercosur Abkommen:
Für knapp die Hälfte der Unternehmen (48 %) spielen Ausfuhren in Mercosur-Staaten aktuell nur gelegentlich eine Rolle, 16 % befassen sich bereits regelmäßig damit. Für weitere 28 % ist das Thema bislang noch nicht relevant, wird es nach eigener Einschätzung aber zukünftig werden – nur 8 % gaben an, dass Mercosur-Exporte für sie derzeit keine Rolle spielen.
Bei der Frage nach der künftigen Bedeutung des Abkommens für das eigene Unternehmen rechnet die Mehrheit (64 %) mit einer mittleren Relevanz. 16 % erwarten eine hohe Relevanz mit spürbaren Absatzchancen durch das Abkommen, für 20 % der Teilnehmenden hat es dagegen wenig bis keine Bedeutung.
Insgesamt wird deutlich: Für viele Unternehmen ist der Handel mit den Mercosur-Staaten heute noch kein Kerngeschäft, doch eine überwiegende Mehrheit der Teilnehmenden sehen aufgrund des Abkommens großes Potenzial.
Herzlichen Dank an Andrea González Alvarez für den praxisnahen und umfassenden Überblick sowie allen Teilnehmenden für die rege Beteiligung an der Umfrage und den offenen Austausch!