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Demokratie ist anspruchsvoll

25.02.2026

Demokratie ist anspruchsvoll

Liebe Mitglieder, liebe Freundinnen und Freunde des wvib,

Alle fünf Jahre wieder hängen sie an Laternen und Brücken: Wahlplakate, die um Aufmerksamkeit werben. Einundzwanzig Parteien, Hunderte Kandidierende – Auswahl ist Wesenskern unserer Demokratie. Doch was bedeutet diese Wahl konkret für die Industrie in Baden-Württemberg?

Unser Land zählt zu den wirtschaftsstärksten Regionen Europas. Rund 40 Prozent der Wertschöpfung entfallen auf das produzierende Gewerbe – ein Spitzenwert im Bundesvergleich. Unsere Unternehmen sind international verflochten, innovationsgetrieben, häufig familiengeführt. Viele Regeln entstehen in Berlin oder Brüssel. Und dennoch ist Landespolitik hochrelevant. 

Wer vertritt Baden-Württemberg im Bundesrat? Wer setzt sich glaubwürdig für Wettbewerbsfähigkeit, verlässliche Energiepolitik und technologieoffenen Wandel ein? Wer beschleunigt Genehmigungen, digitalisiert Verwaltung, modernisiert Planungsrecht? Wer stärkt berufliche Bildung, MINT-Fächer und duale Ausbildung? Wer priorisiert Infrastruktur und Netzausbau? Für unsere Betriebe sind das keine abstrakten Fragen. Verwaltungspraxis entscheidet über Investitionen. Bildungspolitik beeinflusst Fachkräftesicherung. Infrastruktur bestimmt Standortqualität. Landespolitik gestaltet unternehmerische Realität unmittelbarer als es oft scheint. Gefragt ist mehr Markt, mehr Wettbewerb, weniger Umverteilung.  
 

1946, vor 80 Jahren, wurde der wvib gegründet. Er steht seither für Aufbruch, Demokratie, Rechtsstaat und Marktwirtschaft und für die offene Debatte in den Erfa-Gruppen. Gerade vor Wahlen werden Diskussionen intensiver: in Familien, Betrieben, Vereinen. Unterschiedliche Meinungen auszuhalten, gehört zur demokratischen Reife.

Ich habe einige Jahre in China gelebt. Dort entscheidet letztlich eine kleine Führung, was als konform gilt. Eine unabhängige Rechtsstaatlichkeit im europäischen Sinne gibt es nicht. Das relativiert manche hiesige Unzufriedenheit.

Demokratie ist anspruchsvoll, aber sie gibt uns Einfluss. Nutzen wir ihn verantwortungsvoll. Setzen wir unsere Kreuze mit Bedacht, nicht aus Protest, sondern aus Überzeugung. Unsere industrielle Zukunft in Baden-Württemberg braucht Stabilität, Verlässlichkeit und Gestaltungswillen.

Schöne Grüße 
Hanna Böhme