Der Regen ist zum überholen da
09.10.2026

Rückblick | Finanzierungsgipfel | 08.10.2026 | Schloss Staufenberg, Durbach
Wer die Industrie erneuern will, muss investieren, bevor alle Antworten vorliegen. Neue Märkte wollen erschlossen, Technologien erprobt und Geschäftsmodelle entwickelt werden. Wie daraus finanzierbare Vorhaben entstehen, beschäftigte den wvib Finanzierungsgipfel am 8. Oktober auf Schloss Staufenberg in Durbach.
Am Anfang steht die unternehmerische Vision. Wohin soll sich ein Unternehmen entwickeln, und warum lohnt es sich, diesen Weg mitzugehen? Das gilt auch beim Unternehmensverkauf: Im Kaufpreis steckt für die Verkäufer häufig der Lohn jahrzehntelanger Arbeit. Für die Verhandlung zählt zugleich eine überzeugende Zukunftsperspektive – ein Gedanke, den Christoph Gerber von Stockert einbrachte. Wie weit diese Perspektive reichen kann, zeigte die Frage „Ist Aerospace das neue Automotive?“ aus dem Beitrag von Sebastian Borek vom High-Tech Gründerfonds. KI erleichtert das Gründen, neue Industrien entstehen. Das nächste Wirtschaftswunder zu ermöglichen, beginnt damit, solche Chancen zu erkennen und ihnen Kapital und Branchenwissen zur Seite zu stellen.
Damit aus einer Vision eine Finanzierung wird, müssen Kapitalgeber das Geschäftsmodell verstehen. Wie entstehen Erträge, und wie werden Zins und Tilgung bedient? Diese Kapitaldienstfähigkeit stand für Marcel Mühlich von der DZ BANK im Mittelpunkt. Dass Planung „den Zufall durch Irrtum ersetzt“, entbindet niemanden davon, sie sorgfältig zu betreiben. Entscheidend ist dann, die Finanzierung passend zum Vorhaben zu gestalten: Welche Risiken können Banken tragen, wann kommen Debt Fonds ins Spiel, welche Sicherheiten und welcher Verschuldungsabbau sind realistisch? Hier schloss sich mit Christoph Usinger von Houlihan Lokey der Weg von der Strategie zur konkreten Kapitalstruktur.
Auch die Abwicklung kann sich verändern. Blockchain und Tokenisierung versprechen schnellere Prozesse und einen breiteren Zugang zu Finanzmärkten. Das frühe Engagement der Volksbank Mittlerer Schwarzwald, vorgestellt von Sebastian Steiner, machte diese Möglichkeiten greifbar. Ihr Maßstab bleibt der wirtschaftliche Nutzen für Unternehmen.
Zur Finanzierung der Zukunft gehört allerdings auch die Frage, welche Chancen aus übergroßer Vorsicht ungenutzt bleiben. Sascha Blümle von IALTAG brachte diese Spannung mit seiner Kritik an regulatorischen Hürden und wachsender Risikoaversion auf den Punkt. Könnte die KfW stärker zum Partner für Unternehmensentwicklung werden? Wie finden Unternehmen in der jeweiligen Situation den richtigen Kapitalgeber? Die abschließende Diskussion mit Ales Starek von IMS Gear führte diese Fragen zusammen.
Der gemeinsame Appell: mehr Mut und mehr Geschwindigkeit. Denn auch das Nichtinvestieren hat einen Preis. Wer industrielle Erfahrung, neue Ideen und das Wissen der Kapitalgeber früh zusammenbringt, verbessert die Chancen, dass aus einer guten Zukunftsvision ein tragfähiges Geschäft wird.