Zum Seiteninhalt springen

Die zukunftsfähige Instandhaltung kommt ohne Blaulicht

10.07.2026

Rückblick | Fach-Erfa Instandhaltung : Die zukunftsfähige Instandhaltung kommt ohne Blaulicht  | 02.07.2026 | online via Microsoft Teams

 Die Instandhaltung befindet sich in einem grundlegenden Veränderungsprozess. Digitalisierung, Fachkräftemangel, steigender Kostendruck, volatile Märkte sowie wachsende Anforderungen an Lieferfähigkeit und Flexibilität stellen klassische Instandhaltungsstrategien zunehmend infrage.
 

Beim Treffen der Verantwortlichen aus der Instandhaltung der wvib Schwarzwald AG standen daher die Herausforderungen und Erfahrungen beim Aufbau einer zukunftsfähigen und schlagkräftigen Instandhaltungsorganisation im Mittelpunkt.
 

Von der reaktiven zur vorausschauenden Instandhaltung
 

Im Impulsvortrag von Matthias Duddeck, Experte für TPM und Lean Maintenance, wurden zentrale Handlungsfelder einer zukunftsfähigen Instandhaltung beleuchtet. Dazu zählen insbesondere die Optimierung von Prozessen, die Digitalisierung, die Zustandsüberwachung von Anlagen, ein professionelles Ersatzteilmanagement sowie die Qualifizierung der Mitarbeitenden.
 

Ein zentraler Diskussionspunkt waren die wesentlichen Kostentreiber der Instandhaltung. Das waren der Personalaufwand für eigenes Wartungspersonal und externe Dienstleister, Ersatzteile und Verbrauchsmaterialien einschließlich Lagerhaltung und Beschaffung sowie die technische Modernisierung. Als besonders kritisch wurde darüber hinaus die fehlende oder zu spät eingeleitete Veränderung notwendiger Strukturen und Prozesse bewertet.
 

Wie unmittelbar die Instandhaltung mit der Produktion verbunden ist, zeigte sich auch während des Treffens: Zwei Teilnehmer mussten den Austausch aufgrund aktueller Störungen in der Produktion kurzfristig verlassen. Das Beispiel verdeutlichte eindrucksvoll die operative Bedeutung der Instandhaltung und den direkten Einfluss ungeplanter Produktionsereignisse auf deren Arbeitsalltag.
 

Die zentrale Erkenntnis: Der klassische „Feuerwehrmodus“ muss überwunden werden. Ziel ist eine Entwicklung von der reaktiven hin zu einer präventiven und zunehmend zustandsorientierten Instandhaltung. Digitalisierung ist dabei kein Selbstzweck, sondern ein unterstützendes Instrument, um Prozesse transparenter, planbarer und effizienter zu gestalten.
 

Kapazität oder Zeit als Orientierungsgröße?
 

Ein weiterer Diskussionspunkt war die Frage, woran sich die Organisation von Leistung und Kapazität grundsätzlich orientieren sollte.

Bei einer klassischen Kapazitätsorientierung wird die vorhandene Kapazität als weitgehend fixe Größe betrachtet, die möglichst vollständig ausgelastet werden soll. Schwankungen im Auftragseingang werden dabei häufig über längere oder kürzere Lieferzeiten ausgeglichen.
 

Die Zeitorientierung verfolgt dagegen einen anderen Ansatz: Die Durchlauf- bzw. Lieferzeit soll möglichst stabil bleiben, während die bereitgestellte Kapazität stärker an der tatsächlichen Nachfrage ausgerichtet wird. Damit verbunden sind Prinzipien wie Flow, Dezentralisierung und eine höhere Autonomie von Teams.
 

Dieser Perspektivwechsel zeigt, dass eine zukunftsfähige Instandhaltung nicht isoliert betrachtet werden kann. Ihre Leistungsfähigkeit hängt unmittelbar mit der Organisation von Produktion und Logistik, den Führungsstrukturen und der Gestaltung der gesamten Prozesslandschaft zusammen.