Ein Vetorecht für die Zukunft
19.10.2026

Rückblick | Exkursion zum Strategiegipfel der Familienunternehmen MyWay | 22. & 23. September 2026, Berlin
Reformen, Unternehmensstrategie und KI: Die MyWay 2026 bringt zentrale Zukunftsfragen des Mittelstands auf die Bühne. Unsere wvib-Community nimmt daraus konkrete Vorhaben mit.
Wenn die Zukunft ein Vetorecht bei Entscheidungen in der Gegenwart hätte, säßen Mut und Zuversicht immer mit am Tisch. Politische Entscheidungen wären unternehmerischer. Und Risiken ließen sich trotzdem weder ausschließen noch wegregulieren.
Die MyWay in Berlin macht Lust, diese Zukunft anzupacken. Am 23. und 24. September 2026 brachte der Strategiegipfel der Familienunternehmen von The Pioneer nach Veranstalterangaben rund 1.500 Menschen im Berliner Westhafen zusammen. Für unsere achtköpfige wvib-Community gehörten zum gemeinsamen Programm auch der Auftakt in der österreichischen Botschaft und intensive Gespräche auf der Hin- und Rückfahrt.
Wie kommt Deutschland wieder in Bewegung? Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche fordert mehr Reformtempo und Leistungsbereitschaft. Sie wirbt für flexiblere Arbeitszeiten und ein längeres Arbeitsleben. Vermögensteuer und höhere Erbschaftsteuern auf Betriebsvermögen lehnt sie ab. „Mit mir jedenfalls wird der Generationenwechsel nicht zum Verkaufsfall“, sagt sie. Für den wvib berührt das eine zentrale Frage: Wie bleiben Investitionskraft und unternehmerische Kontinuität über Generationen erhalten?
Bundesdigitalminister Karsten Wildbergers Auftritt steht unter der Frage „Deutschland digital: geht das auch schneller?“ Im Mittelpunkt stehen handlungsfähige Behörden und schnellere Verfahren. Zugleich behandelt Wildberger die Chancen von KI und die Risiken autonomer Systeme, Cyberangriffe und möglichen Missbrauch. Für unsere Industrie gehören leistungsfähige Verwaltung, technologische Offenheit und Sicherheit zusammen. Politische Entscheidungen müssen unternehmerisches Handeln ermöglichen. Fortschritt im Gleichschritt auf Staatsbefehl ist keine Agenda.
Auch im Unternehmen braucht Veränderung eine Richtung. Der frühere Siemens-Chef Joe Kaeser erläutert am Umbau des Konzerns, warum Geschwindigkeit allein nicht genügt und wie viel persönliches Risiko mit grundlegenden Entscheidungen verbunden ist. Für den Mittelstand stellt sich damit die Frage, welche Geschäftsfelder er stärkt, verändert oder loslässt. „Unser Ambitionsniveau entscheidet über unseren Erfolg“, sagt Lennart Neugart. Dazu passt der Gedanke von Gabor Steingart, den Ken Erdrich mitnimmt: Nostalgie ist kein Zukunftsmodell.
Wie schnell sich Geschäftsmodelle verändern können, macht das Thema KI und Robotik greifbar. Viele Podiumsdiskussionen, Masterklasses und Diskussionen beim Kaffee widmen sich der Frage, wie Führungskräfte ihre Unternehmen rechtzeitig erneuern. Ken Erdrich nimmt aus den Inhalten der MyWay vor allem die Dimension und das Tempo der Entwicklung mit. „KI verändert alles“, bringt er es auf den Punkt. Lars Beha sieht darin eine klare Führungsaufgabe. Jens Laufer erkennt gerade in Physical AI eine Chance für Deutschland: Hier treffen Daten auf industrielles Know-how. Ken Erdrich will sich deshalb intensiver und schneller mit KI auseinandersetzen und seine Mitarbeitenden stärker einbinden. Christian Hartmann setzt dabei auf Respekt und Neugier. Für ihn ist klar: „Zuversicht als Treiber für unbequeme Zeiten ist wichtig und muss gelebt werden.“
Was aus 48 Stunden Berlin bleibt, fasst Felix Riesterer knapp zusammen: „Ein positives Zukunftsbild“. Lars Beha ergänzt, was es dafür braucht: „Zukunft kommt von Zuversicht, Vertrauen, Mut und Machen.“ Wir haben alles, was wir brauchen: kreative Menschen, tolle Unternehmen und starke Netzwerke als Katalysatoren. Im wvib-Netzwerk lassen sich Fragen stellen, Erfahrungen teilen und unterschiedliche Perspektiven zusammenbringen. Genau diesen Austausch schätzt Lars Beha; Christian Hartmann betont den Wert neuer Kontakte und der Zeit für Diskussionen.
Und nach allen Impulsen, Deepdives und Debatten bleibt die Erkenntnis: Currywurst und Community is the same! Gute Gespräche und gemeinsamer Spaß gehören zusammen. Die Zugfahrt ist deshalb ebenso Teil des Erlebnisses wie der Austausch zwischen den Vorträgen. Wissen & Wärme eben.

