Erst verstehen, dann automatisieren
11.08.2026

Rückblick | Fach-Erfa Produktionsleiter 100+: Erst verstehen, dann automatisieren | 04.08.2026 | Online via Microsoft Teams
Eine zentrale Herausforderung bei Automatisierungsprojekten liegt nicht in der Technik, sondern im fehlenden Verständnis des Prozesses. Die Produktionsleiter der wvib Schwarzwald AG teilten ihre Erfahrungen und diskutierten, worauf es bei Automatisierungsprojekten ankommt. Thomas Nagel, Geschäftsführer der Continua Systems GmbH, Rosenheim, gab als Experte praxisnahe Impulse zu den zentralen Erfolgsfaktoren. Wer die Wirtschaftlichkeit erst nach der technischen Spezifikation betrachtet, läuft Gefahr, am tatsächlichen Bedarf vorbeizuplanen. Gerade bei der Erstautomatisierung wurde das Prinzip „High Impact, Low Risk“ hervorgehoben. Nicht der schwierigste Prozess sollte als Erstes automatisiert werden. Stattdessen empfiehlt sich ein Bereich, der einen hohen Nutzen verspricht, aber gleichzeitig sauber vom übrigen Betrieb abgegrenzt werden kann.
Ein wesentlicher Erfolgsfaktor ist eine ehrliche und vollständige Prozessaufnahme.
Bei der Prozessaufnahme lauern drei typische Fehler:
>Bestehende analoge Prozesse werden unverändert digitalisiert, ohne zu prüfen, welche Informationen, Erfahrungen und situativen Entscheidungen heute in den Prozess einfließen.
>Vermeintliche Ausnahmen werden nicht systematisch erfasst.
>Die „Dunkelziffer“ wird übersehen: Informelle Tätigkeiten der Mitarbeitenden, die nicht dokumentiert sind, bleiben unberücksichtigt.
In das Lastenheft sollten nur Anforderungen aufgenommen werden, an die sich realistisch ein Preis oder Leistungsumfang knüpfen lässt. Zukünftige Erweiterungen und Automatisierungsschritte sollten stattdessen in einer Roadmap berücksichtigt werden.
Auch bei der Lieferantenauswahl ist Vergleichbarkeit entscheidend. Standardisierte Preistabellen und ein strukturiertes Ausschreibungsverfahren schaffen die Grundlage für eine objektive Bewertung der Angebote.
Als besonders wichtiger Punkt wurde die Einbindung der Mitarbeitenden herausgestellt. Technisch gute Lösungen können scheitern, wenn die betroffenen Beschäftigten die Automatisierung nicht mittragen. Akzeptanz ist damit kein weiches Thema, sondern ein konkretes Projektrisiko.