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Governance = Kultur + Klarheit

28.04.2026

Governance = Kultur + Klarheit

Kann professionelle Beiratsarbeit den Mittelstand stärken? Eine rhetorische Frage, die sowohl das eingespielte Duo aus Multi-Beirat Klaus F. Jaenecke und CEO Hans-Jürgen Kalmbach, Hansgrohe, Schiltach, als auch Caspar Hoffmann, Beiratsvorsitzender der AUMA, Müllheim, beim wvib-Beiräte-Treffen mit einem klaren Ja beantworteten.

Die zentrale Frage lautet damit: Wie geht professionelle Beiratsarbeit heute? Die Botschaften: 
1. Eigentum und operative Führung sind im heutigen Mittelstand immer häufiger getrennt. Der geschäftsführende Gesellschafter wird seltener, oft ist er „eingerahmt“ von Managern. Professionelle Governance- und Managementstrukturen ersetzen schrittweise die klassische Personenzentrierung.

2. Die Welt ist ungleich komplexer geworden. Globalisierung, technologische Dynamik, Politik und Regulatorik sowie sich verändernde gesellschaftliche Rahmenbedingungen erhöhen den Strategie- und Steuerungsbedarf. Einzelpersonen und reine Spezialisten können diese Komplexität nicht mehr allein abbilden und integrieren – weder im Management noch im Beirat oder Aufsichtsrat. Gut geführte Teams sind die neuen Stars.

3. Ein professionell geführter Aufsichtsrat bzw. Beirat (AR/BR) kann so zu einem kulturellen Leitgremium moderner Unternehmensführung werden – wenn aus der früheren „netten Runde“ eine belastbare Partnerschaft auf Augenhöhe entsteht.

4. Sparring leistet mehr als fantasielose Kontrolle. AR/BR strukturieren strategische Diskussionen über Jahre hinweg, fordern gezielt Input ein, integrieren unterschiedliche Perspektiven und erhöhen so die Qualität von Entscheidungen – entscheidend etwa bei Transformation, Internationalisierung oder Nachfolge.

5. Der AR/BR wirkt als kulturell-kommunikativer Nordstern: zwischen Gesellschaftern oder Gesellschafterstämmen, zwischen Persönlichkeiten in Geschäftsführung und Management, zwischen langfristigen Interessen und operativen Zwängen sowie zwischen Stabilität und notwendiger Veränderung.

6. Die persönlichen Anforderungen an AR/BR steigen entsprechend. Zu enge fachliche Spezialisierung kann ebenso hinderlich sein wie fehlende Expertise. Der Beirat, der sich selbst für operative Aufgaben bucht, ist ebenso passé wie der reine Abnicker. Gefragt sind geistige Unabhängigkeit, Urteilsfähigkeit und die Fähigkeit, Menschen und Gremien nach vorne zu bewegen – besonders beim Vorsitz. Dazu gehört auch die Fähigkeit zur kritischen Selbstreflexion. 

7. Grundsätzlich: Wirksame Beiratsarbeit bedeutet Klarheit – auch über Rollen. Der AR/BR stärkt die Führung, ersetzt sie nicht und tritt nicht in Konkurrenz zu ihr. Er stellt Fragen und gibt Impulse. Die konkrete Ausgestaltung – vom formal starken Aufsichtsrat bis zum eher informellen Sounding Board – bestimmt den Charakter des Gremiums und sollte idealerweise vorab klar und schriftlich festgelegt werden.

Fazit: Der Unternehmensbeirat entwickelt sich zunehmend zu einem Aktivposten guter Unternehmensführung – nicht als fantasielose Kontrollinstanz oder gemütliches Ritual, sondern als strukturierender und Orientierung gebender Partner.

Der wvib wird sich auf diesem für den Strukturwandel wichtigen Feld künftig noch stärker engagieren – mit einem breiten Netzwerk und konkreter Unterstützung. Ich freue mich, dieses Thema – von der Kandidatensuche über die Ansprache bis zur Gründung – für den wvib persönlich weiter begleiten zu können.