Industrie spürt Folgen des Irankriegs bei Materialkosten
22.05.2026
Die Folgen des Irankriegs treffen die Industrie in Baden-Württemberg nicht nur bei Energiepreisen. Vorprodukte und Rohstoffe werden teurer, Lieferketten unsicherer.
Freiburg, 22. Mai 2026. Seit Ausbruch des Irankriegs im Februar 2026 kontrollieren iranische Revolutionsgarden die Straße von Hormus – jene Meerenge am Persischen Golf, durch die etwa ein Fünftel des weltweit gehandelten Öls transportiert wird. Der Schiffsverkehr ist erheblich eingeschränkt, wodurch Lieferketten unter Druck geraten und Rohstoffpreise steigen. Welche Folgen das für Industrieunternehmen in Baden-Württemberg hat, erfragte die wvib Schwarzwald AG im Einkauf ihrer Mitgliedsunternehmen.
Steigende Preise bei Vorprodukten, Rohstoffen und Transport
Bei der Materialbeschaffung machen sich die Auswirkungen des Kriegs unmittelbar bemerkbar: 100 Prozent der befragten Unternehmen berichten durch eingeschränkte Lieferketten von gestiegenen Einkaufspreisen. Besonders stark betroffen sind Vorprodukte und Rohstoffe. 81 Prozent der Unternehmen geben bei diesen Positionen Kostensteigerungen an. Von gestiegenen Transportkosten berichten 75 Prozent. Steigende Energiekosten nennen nur rund 31 Prozent als besonders belastend.
Weitere Herausforderungen für die Unternehmen stellen Lieferverzögerungen (50 Prozent) und -störungen (39 Prozent) bei bestelltem Material dar. Laut 61 Prozent der Unternehmen erschwert das die betriebliche Planbarkeit erheblich.
Kunststoffe und Grundstoffe besonders unter Druck
Besonders angespannt ist die Lage bei Kunststoffen und petrochemischen Grundstoffen. 44 Prozent der Befragten geben Einschränkungen beim Einkauf von Materialien wie Naphtha oder Ethylen an, die für die Kunststoffproduktion benötigt werden. Auch Stahl- und Metallhalbzeuge sowie Aluminium bewerten jeweils 28 Prozent der Unternehmen als besonders betroffen. Halbleiter und Elektronikkomponenten folgen mit jeweils 25 Prozent.
Unternehmen rechnen nicht mit schneller Entspannung
Auf Entspannung stellt sich kaum ein Unternehmen ein. 61 Prozent erwarten in den kommenden sechs Monaten eine gleichbleibend schwierige Lage, weitere 28 Prozent gehen sogar von einer zusätzlichen Verschärfung aus.
Gleichzeitig zeigt die Umfrage: Der Konflikt im Nahen Osten trifft die Unternehmen unterschiedlich stark. Ein Drittel sieht sich stark bis sehr stark betroffen, ein weiteres Drittel bemerkt mittlere Auswirkungen. Jedes vierte Unternehmen gibt an, bislang nur geringe oder keine direkten Auswirkungen zu spüren.
Dennoch hat die Mehrheit der Unternehmen bereits Gegenmaßnahmen eingeleitet. 56 Prozent intensivieren ihr Risikomanagement, indem sie Lieferketten systematisch auf Risiken und Alternativen prüfen. Die Hälfte der Unternehmen erhöht ihre Lagerbestände und 47 Prozent geben an, gestiegene Kosten auch an Kunden weiterzugeben. 36 Prozent diversifizieren ihre Lieferantenbasis.
Die Untersuchung wurde Anfang Mai durchgeführt. 36 Unternehmen haben sich an der Befragung beteiligt.
Ihr Ansprechpartner im wvib ist Jonas Vetter, vetter@wvib.de, Tel. 0761 4567-110