Wann ist ein Blech eigentlich wirklich flach?
23.09.2026

Rückblick | Chef-Erfa 15 | 23.09.2026 | KOHLER Maschinenbau GmbH, Lahr
Wann ist ein Blech eigentlich wirklich flach? Klingt nach einer einfachen Frage. Ist es aber nicht.
Bei der Chef-Erfa bei KOHLER Maschinenbau GmbH in Lahr, seit 2011 Teil der österreichischen WINTERSTEIGER Group, konnte man lernen, was Richten in der Blechbearbeitung bedeutet.
Bleche kommen nicht zwangsläufig eben aus der Bearbeitung. Bereits im Ausgangsmaterial können Spannungen und Unebenheiten vorliegen, die nach dem Stanzen und Laserschneiden oder weiteren Prozessschritten wie dem Schweißen oder Kanten offensichtlich werden. Das Bauteil wölbt oder verzieht sich, Biegewinkel sind inkonsistent, Schweißnähte müssen nachgearbeitet werden – und genau hier kommt die Richtmaschine ins Spiel.
Vereinfacht gesagt: Das Blech wird zwischen versetzt angeordneten Richtwalzen mehrfach in beide Richtungen gebogen. Dadurch werden innere Spannungen reduziert und das Bauteil wird plan. Leveling – aus einem scheinbar einfachen „Blech flach machen“ wird ein hochpräziser Prozess.
Und der wird eher wichtiger: Kohler betreibt auch ein eigenes Lohnrichtzentrum - mit steigender Nachfrage. Unter anderem, weil die Qualität des Vormaterials schwankt und nur mit dem Richten komplexeste Produkte hergestellt werden können. Nicht zuletzt, viele Unternehmen verfügen nicht über den erforderlichen Maschinenpark oder Richten noch herkömmlich bspw. mit Flamme.
Und dann die Frage: Wie erklärt man eigentlich den Wert einer Technologie, die im Produktionsprozess zunächst nicht wertschöpfend erscheint? Denn idealerweise müsste man gar nicht richten. In der Realität kann aber gerade die Ebenheit darüber entscheiden, ob ein Bauteil anschließend präzise weiterverarbeitet werden kann.
Kohler entwickelt deshalb nicht nur seine Richtmaschinen weiter. In die Peripherie des Richtens wird in den kommenden Jahren viel Innovation einfließen. Gleichzeitig wird eine neue Einsteigermaschine entwickelt – verbunden mit der Frage: Was haben wir immer schon so gemacht, das wir heute neu denken können?
Und natürlich war auch China Thema: Maschinen aus China kosten teilweise weniger als die Hälfte als eine Kohler Maschine. Gleichzeitig laufen Kohler's Richtmaschinen 20 oder 30 Jahre - die chinesische Alternative eher nicht. Der Wettbewerb entscheidet sich deshalb nicht allein am Anschaffungspreis, sondern an Präzision, Verfügbarkeit, Lebensdauer und Service.
Danke an Dr. Hans-Peter Laubscher und das gesamte Team für die Gastfreundschaft und die Einblicke – und an die Chef-Erfa 15 für die gute Diskussion.