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Wie die Industrie Vielfalt pragmatisch fördert

18.05.2026

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Freiburg, 18. Mai 2026: Unternehmen, die Menschen mit unterschiedlichen Perspektiven, Hintergründen und Fähigkeiten in ihre Teams integrieren, können davon langfristig profitieren. Divers besetzte Teams gelten als deutlich innovativer, außerdem sind Unternehmen mit hoher Vielfalt für Fachkräfte deutlich attraktiver. Dieser ökonomische Nutzen der Diversity genannten Förderung von Vielfalt ist inzwischen in mehreren Untersuchungen belegt. 

Anlässlich des European Diversity Month und des Deutschen Diversity-Tages am 19. Mai stellt der Wirtschaftsverband wvib verschiedene Beispiele vor, die illustrieren, wie pragmatisch die mittelständische Industrie Vielfalt fördert. Im Mittelstand entsteht Vielfalt oft nicht über große Programme aus HR und Kommunikation, sondern über pragmatische Lösungen für konkrete Herausforderungen im Alltag.

Wie Keller Blechtechnik Mitarbeitende über den Renteneintritt hinaus beschäftigt
Bei Keller Blechtechnik in Endingen werden mit hochmodernen Lasermaschinen in einer Smart Factory Bleche und Metallteile geschweißt, gestanzt, geschnitten und graviert. Das Unternehmen vom Kaiserstuhl setzt bewusst darauf, Mitarbeitende auch nach dem Renteneintritt weiter zu beschäftigen. 
Nicht als formalisiertes Programm, sondern angepasst auf die jeweiligen Bedürfnisse der Beschäftigten. Wer weiterarbeiten möchte, kann dies bei Keller Blechtechnik grundsätzlich tun. 
Sowohl in der Produktion wie auch in der Verwaltung arbeiten Mitarbeitende nach dem Erreichen des Renteneintrittsalters weiter im Unternehmen. Derzeit nehmen das vier Mitarbeitende in Anspruch, zwei davon sind sogar erst als Rentner zum Unternehmen gestoßen. Auffällig: Vor allem Mitarbeitende, deren Partner noch regulär berufstätig sind, arbeiten häufig weiter. 
Antje Keller, Prokuristin und Personalleiterin, betont: „Die älteren Kollegen bringen Erfahrung mit und wollen dieses Wissen weitergeben. Davon profitieren gerade die jüngeren Mitarbeitenden. Wir bieten soziale Kontakte, sinnvolle Beschäftigung und sorgen für einen finanziellen Zuverdienst. Für uns überwiegen die Vorteile.“ 

Wie allsafe in Engen Menschen mit Behinderung und Beeinträchtigung eine Chance bietet
Als Spezialist für Ladungssicherung produziert allsafe in Engen Schienen, Sperrelemente, Zurrgurte und Fittings für die Branchen Automotive, Aerospace und Logistik. Das Familienunternehmen vom Bodensee beschäftigt insgesamt sieben Schwerbehinderte und zwei einer Schwerbehinderung gleichgestellte Mitarbeitende. 
Außerdem arbeitet allsafe schon länger mit Werkstätten für Menschen mit Behinderung zusammen. Zuletzt hat das Unternehmen mit rund 250 Mitarbeitenden sogar eine Mitarbeiterin aus einer Werkstätte in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis übernommen. „Der Sprung auf den ersten Arbeitsmarkt ist für die Kollegin ein großer Erfolg, auf den sie zu Recht stolz ist“, so der geschäftsführende Gesellschafter Detlef Lohmann. Er betont auch, dass es bei der Beschäftigung von Menschen mit Beeinträchtigungen einer gewissen Flexibilität bedarf. Gleichzeitig profitiere aber der gesamte Betrieb davon: „Wir versuchen, allen Kolleginnen und Kollegen ein adäquates Arbeitsumfeld zu schaffen. Damit leisten wir einen Beitrag zu einem umsichtigen Miteinander.“ 

Wie Veyhl in Neuweiler Geflüchteten und Umschülern den Einstieg in den Arbeitsmarkt ermöglicht
In Zwerenberg im Nordschwarzwald produziert Veyhl als Systemlieferant Metallkomponenten und Baugruppen für die Möbelindustrie. Das Unternehmen mit 360 Beschäftigten stellt dabei in erster Linie höhenverstellbare, ergonomische Tischsysteme und Akustikpaneele her. 
Das Unternehmen arbeitet seit vielen Jahren mit der Agentur für Arbeit Calw/Nagold im Bereich der betrieblichen Umschulung und Ausbildung zusammen. In der Produktion wie in der Verwaltung ermöglicht Veyhl Umschülern und Geflüchteten die praktische Ausbildung während der Qualifizierungsmaßnahmen.
In der Praxis bedeutet das, dass Umschüler ein vier- bis sechsmonatiges Praktikum im Unternehmen absolvieren und auch die praktische Abschlussprüfung bei Veyhl ablegen können. Geflüchteten bietet Veyhl in Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit regelmäßig Tages- oder Wochenpraktika an, um die Arbeit in einem Industrieunternehmen kennenzulernen. 
Veyhl betont, dass die Umschulungsprogramme ein wichtiger Bestandteil der Personalstrategie sind. Um neue Fachkräfte zu gewinnen, aber auch um die Kultur im Unternehmen zu fördern: „Die Zusammenarbeit verschiedener Nationalitäten gehört für uns fest zur Firmenkultur und fördert die Akzeptanz und Offenheit im Unternehmen“, so Personalleiter Robin Wössner. 

Stockert: Sprachkurse in der Mittagspause
Das Medizintechnik-Unternehmen Stockert stellt Geräte für die minimalinvasive Therapie von Herzrhythmusstörungen und Nervenstimulatoren für die Regionalanästhesie her. In Freiburg beschäftigt das Unternehmen 80 Mitarbeitende aus 20 Nationen. Um Integration und die Zusammenarbeit im Unternehmen zu fördern, investiert Stockert mit Sprachkursen gezielt in die Sprach- und Kommunikationskompetenz der Mitarbeitenden. 
Bislang hat das Unternehmen seinen Mitarbeitern zwei verschiedene Englischkurse angeboten, um die internationale Ausrichtung weiter zu stärken. Im April ist nun erstmals ein Deutschkurs gestartet. Das Angebot soll ein Jahr laufen. Wöchentlich kommt zwischen 12 und 13 Uhr eine Deutschlehrerin ins Unternehmen und unterrichtet vor Ort ein gutes Dutzend Teilnehmende aus verschiedensten Teams des Unternehmens. Dabei sind die sprachlichen Ausgangsniveaus sehr unterschiedlich, was für den Kurs allerdings keine Hürde darstelle. Bisher läuft es gut, so Personalleiterin Jennifer Beck. Sie betont: „Vielfalt ist für uns ein Wettbewerbsvorteil. Mit den Sprachkursen schaffen wir die Voraussetzungen dafür, dass die Zusammenarbeit gelingt und alle Mitarbeitenden wörtlich eine gemeinsame Sprache sprechen.“ 

Hansgrohe: Führung in Teilzeit 
Der Sanitärhersteller mit Hauptsitz in Schiltach produziert Armaturen, Brausen und andere Produkte für Bad und Küche. Mit rund 5.600 Mitarbeitenden zählt Hansgrohe zu den größeren Industrieunternehmen Baden-Württembergs.
Seit zehn Jahren bietet Hansgrohe seinen Mitarbeitenden die Möglichkeit, auch Führungspositionen in Teilzeit auszuüben. Der Gedanke dahinter ist einfach: Wenn ein Führungsjob nicht an ein starres Vollzeitmodell gebunden ist, erweitert das den Kreis potenzieller Führungskräfte und mehr Mitarbeitende kommen für diese Aufgabe infrage.
Das Unternehmen hat damit bislang überwiegend gute Erfahrungen gemacht, betont aber auch die Voraussetzungen, die Teilzeit in Führungspositionen braucht. Gerade in Führungspositionen funktionieren Teilzeitmodelle nur mit klarer Abstimmung, hoher Selbstorganisation und Flexibilität im Team. 
Personalvorständin Sandra Richter betont: „Wir fördern Führungstalente auch dann, wenn sie aktuell keine Vollzeitposition ausfüllen können oder wollen. Das ist für alle vorteilhaft: Mitarbeitende können ihren beruflichen und privaten Belangen gerecht werden und sich dadurch weiterentwickeln. Wir schaffen Zufriedenheit, halten Fachkräfte und eröffnen langfristig neue Perspektiven.“

Kommentar von wvib-Hauptgeschäftsführerin Hanna Böhme
„Die Förderung von Vielfalt entsteht in der Industrie häufig aus ganz praktischen Herausforderungen im Alltag: aus dem Bedarf, erfahrene Mitarbeitende zu halten, neue Fachkräfte zu integrieren oder internationale Teams arbeitsfähig zu machen. Daraus entwickelt sich eine stabile und alltagstaugliche Form von Diversity-Praxis in den Unternehmen.
Der Schwarzwald ist bunt. Viele Industrieunternehmen in der Region leben diese Vielfalt längst selbstverständlich – auch wenn sie darüber nur selten sprechen.“
 

Ihr Ansprechpartner im wvib ist Jonas Vetter, vetter@wvib.de, Tel. 0761 4567-110.


Die wvib Schwarzwald AG ist Plattform für People, Planet, Progress im familiengeprägten, industriellen Mittelstand in Baden-Württemberg. Mit über 1000 Veranstaltungen pro Jahr vernetzen wir Unternehmer und Führungskräfte, die sich für Unternehmen, Mitarbeiter, Kunden, Umwelt und Gesellschaft engagieren. Unser Angebot: Erfahrungsaustausch und Weiterbildung. Unser Ziel: Menschen in Unternehmen wirksamer machen. Unsere Themen: Werte, Strategie, Führung, Familie, Eigentum, technologische Perspektiven, neue Marktzugänge, Geschäftsmodelle und Soziale Marktwirtschaft.
Im wvib – gegründet 1946 von Unternehmern für Unternehmer – erwirtschaften 1.060 produzierende Unternehmen mit 288.000 Beschäftigten weltweit 65 Milliarden Euro Umsatz.  
Über 60 hauptamtliche Mitarbeiter spannen ein südwestdeutsches Netzwerk für „Wissen und Wärme" über die weltweit engagierte Schwarzwald AG.