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wvib-Umfrage zur Unternehmensnachfolge: Die Boomer treten ab

10.02.2026

wvib-Umfrage zur Unternehmensnachfolge: Die Boomer treten ab

Bei rund 60 Prozent der Familienunternehmen steht in den kommenden fünf Jahren ein Wechsel an

Freiburg, 10. Februar 2026: Die große Mehrheit der Unternehmen in Deutschland ist familiengeführt – auch rund 800 Mitgliedsunternehmen der Schwarzwald AG. Mit dem Renteneintritt der Boomer-Generation müssen viele Unternehmen die Nachfolge an der Spitze regeln. Eine wvib-Umfrage zeigt, wie Unternehmen die Nachfolge gestalten und wo die Herausforderungen liegen. 


Mehrheit plant Übergabe innerhalb der nächsten fünf Jahre

Konkret planen zwölf Prozent der Unternehmen die Übergabe innerhalb der nächsten zwölf Monate, weitere 23 Prozent innerhalb der kommenden zwei Jahre. Bei 24 Prozent der Unternehmen steht der Führungswechsel in einem Zeitraum von drei bis fünf Jahren an. Zusammengenommen planen damit rund 60 Prozent der befragten Unternehmen einen Wechsel an der Spitze innerhalb der nächsten fünf Jahre. Rund 30 Prozent rechnen mit einer Übergabe zu einem späteren Zeitpunkt, zehn Prozent haben sich noch nicht festgelegt.


Nachfolge in der Industrie meist gesichert

Auf die Frage nach dem aktuellen Stand der Nachfolgeplanung gaben lediglich zwei Prozent der befragten Unternehmen an, dass es keine Nachfolge geben wird. In mehr als einem Drittel der Unternehmen (37 Prozent) ist die Nachfolge bereits geregelt, weitere 31 Prozent planen die Übergabe. Bei rund 30 Prozent der Betriebe gibt es derzeit keinen Handlungsbedarf.

Familiennachfolge bleibt bevorzugt – externe Lösungen gewinnen an Bedeutung

Bei gut einem Drittel der Unternehmen sollen Söhne oder Töchter die Unternehmensführung übernehmen. 15 Prozent setzen hingegen auf eine angestellte Geschäftsführung, während die Familie weiterhin die Unternehmensanteile hält. Elf Prozent der Befragten planen einen Verkauf der Anteile an einen Investor. Management-Buy-outs (vier Prozent) und Management-Buy-ins (drei Prozent) spielen eine geringere Rolle. Knapp vier Prozent der Unternehmen denken über alternative Modelle wie Search Funds oder eine schrittweise Übernahme nach. Eine Liquidation des Unternehmens kommt in der Industrie nur für vier Prozent in Frage.

Bei Unternehmen mit weniger als 200 Mitarbeitenden ist die Nachfolge innerhalb der Familie weiterhin die präferierte Lösung, aber auch die verschiedenen Verkaufsmodelle spielen hier eine Rolle. Bei Unternehmen mit mehr als 200 Mitarbeitenden gewinnt das Modell einer angestellten Geschäftsführung an Relevanz, die Verkaufsoptionen verlieren dagegen an Bedeutung.


Größte Hürden: Nachfolger finden und rechtliche Fragen klären

Als größte Herausforderung im Übergabeprozess nennen die Unternehmen das Finden eines geeigneten Nachfolgers oder einer geeigneten Nachfolgerin. Erbrechtliche Fragestellungen folgen mit 24 Prozent auf Platz zwei, allgemeine rechtliche Aspekte liegen mit elf Prozent auf Platz drei. Die Finanzierung der Übergabe (acht Prozent), notwendige Investitionen (fünf Prozent) oder Kaufpreisverhandlungen (vier Prozent) werden seltener als zentrale Probleme genannt.

Die Herausforderungen im Übergabeprozess unterscheiden sich nach Unternehmensgröße. Kleinere Unternehmen geben häufiger an, dass es für sie schwierig ist, eine passende Nachfolge zu finden. Mit zunehmender Unternehmensgröße rückt hingegen die erbrechtliche und rechtliche Komplexität der Übergabe stärker in den Vordergrund.

Woran die familieninterne Übergabe scheitert

29 Prozent der Befragten geben an, ihren Kindern die Unternehmensnachfolge nicht zumuten zu wollen. Jeweils 20 Prozent nennen das Alter der Kinder oder mangelndes Interesse als Gründe, warum eine familieninterne Lösung nicht zustande kommt. 15 Prozent bewerten die fachlichen Anforderungen für die Führungsrolle als Hindernis.

Auch bei den Gründen für das Scheitern einer familieninternen Übergabe gibt es Unterschiede: In kleineren Unternehmen scheitert diese am häufigsten daran, dass die Eltern ihren Kindern die Nachfolge nicht zumuten wollen. In größeren Unternehmen sind dagegen fehlende Qualifikation, das Alter oder mangelndes Interesse der Kinder die häufigsten Gründe.

wvib warnt vor zusätzlichen Belastungen durch Erbschaftsteuer

wvib-Hauptgeschäftsführerin Hanna Böhme kommentiert die Umfrage: „Die Familienunternehmen blicken gebannt nach Karlsruhe. Noch in diesem Jahr wird vom Bundesverfassungsgericht ein Urteil zur Erbschaftssteuer erwartet. Wieder steht die Verschonung von Betriebsvermögen im Fokus. Auch wenn die Erbschaftssteuer nur etwa ein Prozent zum gesamten Steueraufkommen beiträgt, wird über keine Steuer so leidenschaftlich debattiert. Die meisten Vermögenswerte stecken in Maschinen, Hallen und Immobilien. Wenn Unternehmen Betriebsvermögen auflösen müssen, um eine Steuer zu begleichen, geraten Wettbewerbsfähigkeit, Innovationskraft und Arbeitsplätze in Gefahr. Unsere Umfrage zeigt, dass die Unternehmensnachfolge bereits heute mit großen Herausforderungen verbunden ist. Zusätzliche Belastungen wären schlecht für Unternehmen, den Standort und den Wohlstand insgesamt. Eine Verschärfung der Steuer würde die Nachfolge in vielen Familienunternehmen gefährden.”