Zwischen Manufaktur und Industrie: Zukunftsstrategien bei Brunner
24.09.2026

Rückblick | Chef-Erfa 36 | 24.09.20276 | Brunner GmbH
Die Geschichte der Brunner Group beginnt 1977 mit Helena und Rolf Brunner, einem gebrauchten VW-Bulli – und einem Auftrag, den andere für nicht machbar hielten.
Fast 50 Jahre später gehört das Familienunternehmen zu den führenden Objektmöbelherstellern Europas im Premiumbereich. Rund 500.000 Stühle und 100.000 Tische verlassen jährlich das Werk. Office, Care, Public Space – entwickelt und produziert in Rheinau, inzwischen in zweiter Generation mit Marc Brunner und Philip Brunner in der Geschäftsleitung.
Beim Besuch der Chef-Erfa ging es aber weniger um die Vergangenheit als um die Frage, wie sich dieses Geschäftsmodell in Zukunft behauptet.
'Die Schnellen werden die Langsamen schlagen.'
Der Satz passt gut zu einer Branche, die gerade einiges aushalten muss. Der deutsche Markt ist deutlich geschrumpft, Kosten sind gestiegen, gleichzeitig nimmt der internationale Wettbewerb zu. Asiatische Hersteller treten längst auch in Europa an – mit anderen Größenordnungen und Skaleneffekten.
Marc Brunners Antwort: Über Größe können wir nicht konkurrieren. Unsere Stärken sind Geschwindigkeit, Design und Kundennähe.
Das klingt zunächst einfach. Ist es aber nicht, wenn die durchschnittliche Losgröße im einstelligen Bereich liegt. Denn Brunner ist industrielle Produktion und Manufaktur zugleich: hohe Variantenvielfalt, kleine Stückzahlen, unterschiedliche Materialien und Arbeitsschritte – vom Metall über Holz bis zum Polstern. Genau dort zu automatisieren, wo die Varianten entstehen, ist besonders anspruchsvoll.
Deshalb wird Automatisierung sehr pragmatisch gedacht: Wo ist der echte Business Case? Was schätzt der Kunde tatsächlich wert? Und was können wir von Anfang an anders konstruieren? Denn Automatisierung beginnt nicht erst in der Fabrik. Schon beim Produktdesign muss mitgedacht werden, wie ein Produkt später effizient und automatisiert gefertigt werden kann.
Dazu kommen fahrerlose Transportsysteme, digitaler Shopfloor und optimierte Rüstzeiten.
Und KI? Auch hier kein Selbstzweck. Bei Brunner arbeitet man an konkreten Use Cases. Einer davon ist eine KI-gestützte Auftragsanlage inklusive Qualitätsprüfung. Schlüssel zum Erfolg: KI kann man nicht an die IT delegieren. Das Wissen über die Prozesse steckt in den Fachbereichen – und in den Köpfen. Genau dort müssen die Anwendungsfälle entstehen. Die Geschäftsleitung muss treiben, Key User müssen multiplizieren, die Datenqualität stimmen und aus einzelnen Anwendungen muss schrittweise eine belastbare Systemarchitektur werden.